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Montag, 14. Dezember 2009

[SPECIAL] "Avatar": Technikschlacht für 300 Millionen US-Dollar

[SPECIAL] "Avatar": Technikschlacht für 300 Millionen US-Dollar
Spektakel im Anflug



Klar, ein Scherz hier und da muss sein. Also wurde bei der Pressekonferenz erst einmal ausführlich über Nippel diskutiert. Dennoch: Als James Cameron zusammen mit den Hauptdarstellern seinen neuen Film "Avatar - Aufbruch nach Pandora" (Kinostart: 17. Dezember) in Berlin vorstellte, war die Anspannung spürbar.

Immerhin sind zwölf Jahre ins Land gegangen, seitdem sich der gebürtige Kanadier Cameron nach seinem Oscar-Triumph selbst zum "König der Welt" proklamierte: "Titanic" war der bislang letzte Film des 55-jährigen Regisseurs, der mit "Abyss", "Terminator 1+ 2", "Aliens - Die Rückkehr" und "True Lies" ein überschaubares, aber spektakuläres Oeuvre schuf. Und nun "Avatar" - ein Film, mit das Kino neu erfunden werden soll. Bombastisch, gigantisch, bahnbrechend: Die Erwartungen sind sowohl bei Cameron als auch den Fans hoch. Wie die Produktionskosten.

Die Zahlen schwanken, sind allerdings immer gigantisch. 230 Millionen Dollar, 300 Millionen oder sogar weit mehr als 500 Millionen, wie Experten vermuten? Egal. "Wir wissen, dass wir teure Filme machen, das ist uns bewusst", sagt Produzent Jon Landau bei der Berliner Pressekonferenz. Die beiden hatten schon bei "Titanic" zusammengearbeitet. "Unser Ziel ist es, die Leute zu unterhalten", genügt als Rechtfertigung, und Cameron sekundiert: "Wir haben keine Schuldgefühle, dass wir so viel Geld für den Film ausgegeben haben." Im Gegenteil, für das Publikum sei das sogar ein gutes Geschäft: "Die Kinotickets sind immer gleich teuer, egal ob ein Film 100 Millionen Dollar kostet oder nur eine Million."

Bei Cameron, für Regie, Drehbuch und Schnitt verantwortlich, gibt's fürs Geld, so verspricht er, "Staunen, in etwa so, wie ich es selbst erlebte, wenn ich zum Beispiel auf Tauchfahrten gehe". Nach "Titanic" hat Cameron die Tiefsee erkundet und einige Dokumentationen gedreht. Von der Reise auf den Fantasieplaneten Pandora erhoffe er sich, dass "dieses Staunen über die fremde Schönheit dazu beiträgt, dass wir die Natur unserer Erde mit mehr Respekt behandeln."

Helfen soll dabei die ganze Bandbreite teilweise extra konzipierter Kinotechnik: Die Darsteller, in den Hauptrollen sind Sigourney Weaver ("Alien"), Sam Worthington ("Terminator - Die Erlösung") und Zoë Saldana ("Star Trek") zu sehen, wurden in Performance-Capture-Anzüge der neuesten Generation gesteckt. Jede noch so kleine Regung von Gesicht und Körper soll dadurch in ihren Computer generierten Alter Egos zu sehen sein, die sich in einer ebenfalls am Rechner entstandenen Welt bewegen. Und zwar in 3D.

Vor 15 Jahren hatte Cameron bereits die Idee für den Film, damals empfand er sich in den technischen Möglichkeiten zu eingeschränkt. Erst 2005 hielt er Zeit und Spezialeffekte für reif genug, seine Geschichte erzählen zu können und arbeitete die vergangenen vier Jahre ununterbrochen daran: Die Menschen haben auf Pandora einen wertvollen Bodenschatz entdeckt, den sie rücksichtslos abbauen.

Ihre Interessen kollidieren mit den Eingeborenen: Diese Na'vi leben in Einklang mit der Natur ihres Planeten und dulden die Eindringlinge, die auf Pandora ohne Atemmaske nicht überlebensfähig sind. Die Menschen spielen Gott, mixen menschliche DNA mit dem Genmaterial der Na'vi: Die künstlich geschaffenen Avatare werden durch eine Bewusstseinsverschmelzung von menschlichen Fahrern gesteuert. Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch Erkenntnisse, das Militär einen strategischen Vorteil. Dann verliebt sich einer der Avatar-Fahrer in eine Einheimische und muss sich vor der finalen Schlacht für eine Seite entscheiden.

Es sickerte nicht viel durch von "Avatar" während der Produktionszeit, nur ein grobes Handlungsgerüst und immer wieder Gerüchte, dass James Cameron den Einsatz von CGI und Spezialeffekten auf ein neues Level heben würde. Sein Film würde besser, größer, schöner sein als alles bisher da Gewesene. Und realistischer als von CGI-Filmen gewohnt. Die Computer "ziehen" die Schauspieler zum Beispiel "an" und sorgen - natürlich auch mit brandneuer Technologie - für eine authentische Bewegung der Kleidung: "Wenn die Na'vi laufen, dann wippen die Stofffetzen halt." Deswegen habe es bei Zoë Saldanas Figur einige Brustblitzer gegeben, ist Camerons technische Antwort auf die Nippelfrage. "Die echten haben wir allerdings nie gesehen", scherzt er.

Ein wenig gezwungen wirkt das, aber nervös vor der Weltpremiere sei der Regisseur nicht, es kümmere ihn auch nicht, "was die Kritiker sagen. Die schreiben ihre Meinung. Manche werden den Film mögen, andere nicht." So laufe das Geschäft nunmal. Aber bei kritischen Fragen zur Story, ob berechtigt oder unberechtigt sei dahingestellt, wirkt Cameron dann doch etwas dünnhäutig. Ob er keine Kritik befürchte, sein Film erzähle eine zu simple Geschichte, mit vielen bekannten Elementen? Die Antwort ist eine Mischung aus kurzer Fassungslosigkeit mit F-Wort und bitterer Ironie ("Klar, viele Menschen wissen, wie es ist, das eigene Bewusstsein in ein fremdes Lebewesen zu projizieren.").



So sehr er sie auch zu verbergen sucht: Die Anspannung ist da. In einigen wenigen Momenten verliert Cameron seine Souveränität. Er will nicht nervös sein, aber dass er es ist, macht das Warten umso spannender. Der "König der Welt", der Revolutionär des Kinos, ist auch nur ein Mensch. Jemand, der unglaublich viel Energie, Zeit und Kreativität in einen Film steckte, an den er von der ersten bis zur letzten Einstellung glaubt. Und er merkt, dass kritische Fragen keine Angriffe sind: "Natürlich hat 'Avatar' klassische Themen", räsoniert der Filmemacher. "Im Prinzip geht es um die Geschichte der Menschheit: um die Missachtung der Natur, um die Arroganz technisch überlegener Kulturen gegenüber vermeintlich unterentwickelten."

Warum "Avatar" im Kino funktionieren wird, erklärt Cameron auch gleich: "Wir erzählen bekannte Motive, aber in einem Umfeld, das man so noch nicht gesehen hat." Das Publikum könne sich einerseits heimisch fühlen, sich aber andererseits auf völlig neue Eindrücke freuen. Die Geschichte, so verspricht der Regisseur, stehe im Vordergrund - trotz aller fantastischer CGI-Spielereien, für die die "Herr der Ringe"-Schmiede Weta verantwortlich zeichnet.

Deswegen, das bestätigt auch Sigourney Weaver, sei "Avatar" ein "Film für die ganze Familie", mit Romantik, Abenteuer, Action und viel Fantasie. "Es ist nicht nur ein Spielzeug für Männer", sagt sie und ist sich sicher, dass ihn vor allem Kinder öfter sehen wollen. "Die können dann auch mit ihren Müttern ins Kino gehen. Mehrmals." Die Vorstellung wirkt auf James Cameron und Jon Landau erleichternd. Wegen der (Mehrmals-)Einnahmen an den Kinokassen. Auf die sind sie nämlich unbedingt angewiesen.

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